„Je globaler die Welt wird, umso stärker wird das Bedürfnis nach Heimat, nach einem Zusammengehörigkeitsgefühl vor Ort. Viele Menschen beunruhigt die zunehmende Schnelligkeit. Sie sehnen sich nach Halt und Orientierung in der Stadt, in der Region, in der sie leben. Deshalb wollen wir uns für lebenswerte Städte einsetzen und dazu beitragen, Traditionen in den einzelnen Regionen zu stärken und zu erhalten.“

Anlässlich des Besuchs der neuen nordrhein-westfälischen „Heimatministerin“ Ina Scharrenbach in Haltern, zu der Vertreter von Heimatvereinen, Schützenvereinen und Spielmannszügen eingeladen waren, bot sich die Gelegenheit, gemeinsam über Heimatkultur, Tradition und Brauchtum zu sprechen. In ihrer kurzen Ansprache hat Frau Scharrenbach die Buchstaben des Begriffs „HEIMAT“ aufgeschlüsselt und den Wortsinn aus Ihrer Sicht erläutert: Das „H“ im Begriff steht für Hinhören, das „e“ für ehrenamtliches Engagement, das „i“ für Identität, das „m“ für Miteinander, das „a“ für Aufbruch und das „t“ für Toleranz.



Letzte Woche nutzten Theodor Beckmann und Maria Huxel vom Plattdeutschen Sprach- und Heimatverein Datteln die Chance, die neue nordrhein-westfälische Heimatministerin Ina Scharrenbach kennen zu lernen.

Start der Radtour: Sonntag, 27. August 2017, 10:30 Uhr ab Datteln Neumarkt

Traditionell lädt der Plattdeutsche Sprach- und Heimatverein zum Abschluss der Sommerferien Mitglieder und Gäste ein zum sanften Reisen: In diesem Jahr führt die Radtour am 27. August zum Römermuseum in Haltern am See. Dort wird an historischer Stelle die Welt der Römer lebendig. Im Museum zeugen über 1.200 Original-Exponate von der hochentwickelten Kultur und Technik der Römer; eine Zugangsrampe erlaubt den Blick auf die Aliso-Baustelle; und die Sonderausstellung "Triumph ohne Sieg. Roms Ende in Germanien" beleuchtet, wie nach den vergeblichen Bemühungen des Germanicus, die verlorenen rechtsrheinischen Gebiete zurück zu erobern, der Rhein wieder die Grenze Roms zum freien Germanien wurde. Weitere Informationen zu dieser Rundtour, die um 10:30 Uhr am Dattelner Neumarkt startet (ca. 45 km), sind beim Vereinsvorsitzenden Theodor Beckmann (Tel. 02363-65852) erhältlich. Eine förmliche Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Teilnahme ist kostenlos; für den Besuch des Museums wird vor Ort Eintritt (8 Euro) erhoben.

Kreuz erinnert an ehemalige Kapelle mit Friedhof

In der Bauerschaft Datteln-Klostern befand sich im späten Mittelalter an der Straße „Im Steinacker“, bis ins 19. Jahrhundert auch „Kerkweg“ genannt, eine Kapelle mit einem kleinen Friedhof. Dieser wurde am 16. Juli 1381 von dem Ritter Theodoricus von Wildouwe und seiner Familie der St. Amanduskirche gestiftet. Die Verstorbenen seines Hauses und seiner sechs Güter konnten dort bestattet werden. Für eine jährliche Rente von einer Mark in Dortmunder Währung sollte der Dattelner Pfarrer hier jeden Monat eine heilige Messe lesen oder lesen lassen. Das Gelände der Kapelle und des Friedhofes hatten einen besonderen Status: Da durch Anordnung von Kaiser Karl dem Großen dort niemand verhaftet oder vertrieben werden durfte, egal was er getan hatte, bestand bis zur Gerichtsverhandlung Friedenspflicht für alle, die dort Schutz suchten.

Über das Ende der Burg Wildau und der kirchlichen Anlage gibt es keine schriftlichen Unterlagen. Es ist zu vermuten, dass nach dem Dreißigjährigen Krieg diese Stätten verwüstet waren und nicht wieder aufgebaut wurden, weil, ausgehend vom Sterberegister der St. Amanduskirche, die Verstorbenen ab Mitte des 17. Jahrhunderts immer in Datteln beerdigt wurden. So wie es üblich war, hat man dort, wo die Kapelle und der Friedhof waren, ein Holzkreuz errichtet, das aber in den 1940er Jahren (zur Zeit des NS-Regims) entfernt wurde.

Der in Datteln-Klostern geborenen Heimatforscherin Rita Antonia Möcklinghoff-Kohts geb. Mönnich gen. Pflips war es ein Herzensanliegen, dass auf dem historischen Gelände am „Steinacker“ wieder ein Kreuz zur ehrenvollen Erinnerung an die Kapelle und den Ort der dort Bestatteten aufgestellt wird. Daher stiftete sie jetzt ein Marmorkreuz als kulturhistorisches Andenken, das am 25. Juli 2017 im Beisein des Bürgermeisters, der Nachbarn und des Vorsitzenden des Plattdeutschen Sprach- und Heimatvereins eingeweiht und von Pfarrer Hugo Bresser gesegnet wurde.



Der Vorsitzende des Plattdeutschen Sprach- und Heimatvereins Theodor Beckmann nahm als Gast an der Einweihung des neuen Gedenkkreuzes in der Wildau teil. Mit der Stifterin Frau Rita Möcklinghoff-Kohts wünscht er sich, dass alle Bürger und Bürgerinnen, vor allem die Klosterner, diesen besonderen Ort als Teil der gemeinsamen Geschichte in Ehren halten.

Bei optimalen Witterungsbedingungen – milden Temperaturen, trockener Luft und einem leichten Westwind, der die Gruppe am Nachmittag unterstützend nach Hause trug – konnte der Vorsitzende des Plattdeutschen Sprach- und Heimatvereins Theodor Beckmann die Mitglieder und Gäste zu einer Radtour in das Herz des Ruhrgebiets begrüßen. Der etwa 50 km lange Rundkurs war gesäumt von den Überresten des Bergbaus, der diese Region geprägt und geformt hat: sanierte, zu Gewerbegebieten umgestaltete Zechengelände, umgeben von Zechenmauern, flankiert von Zechenhäusern, verbunden durch Zechenbahntrassen, dazu die Zechenhäfen am Rhein-Herne-Kanal, die Kulturzeche Unser Fritz 2/3, Kohlenlager, Abraumhalden und die Emscher als Abwasserkanal.

Höhepunkt und Ziel der Fahrt war das in diesem Sommer wiedereröffnete Heimatmuseum „Unser Fritz“ in Wanne-Eickel. Die Ausstellungsstücke im ehemaligen Schulgebäude der Kolonie weckten zahlreiche Erinnerungen an die eigenen Kinder- und Jugendjahre: Familie, Schule, Arbeit und Freizeit werden mit vielen Exponaten liebevoll in Szene gesetzt. Und das Büdchen im Hof des Museums bot den idealen Hintergrund für das Gruppenfoto.

Gut gelaunt waren Freunde des Dattelner Heimatvereins zu einer Radtour gestartet. Ziel war das neu gestaltete Heimatmuseum „Unser Fritz“ in Wanne-Eickel. Doch nach wenigen Kilometern setzte ein Regen ein, der die Heimatfreunde um den Vorsitzenden Theodor Beckmann (r.) zur Aufgabe zwang. Einen erneuten Versuch will man am 16. Juli wagen. Treffen zur Abfahrt ist wieder um 10.30 Uhr am Neumarkt. Das Museum in Wanne zeigt beispielhaft die Geschichte des Ruhrgebiets zwischen 1890 und 1980. Herausragende Exponate sind die alte Drogerie mit einer Einrichtung aus der Zeit des Jugendstils, ein alter Kiosk sowie ein Klassenzimmer aus der Zeit um 1900. (Dattelner Morgenpost vom 04.07.2017; Foto: Norbert Schmitz)