Besuch des neugestalteten Heimatmuseums

Start der Radtour: Sonntag, 2. Juli 2017, 10:30 Uhr ab Datteln Neumarkt

Der Plattdeutsche Sprach- und Heimatverein lädt seine Mitglieder und Gäste am 2. Juli 2017 ein zu einer Radtour nach Herne-Wanne. Los geht es um 10.30 Uhr am Dattelner Neumarkt zunächst in Richtung Rhein-Herne-Kanal mit einer ersten Rast am Yachthafen in Pöppinghausen. Ziel der Fahrt ist das neugestaltete Heimatmuseum Unser Fritz im Gebäude einer ehemaligen Schule im Herner Stadtteil Wanne. Es zeigt beispielhaft die Geschichte des Ruhrgebiets zwischen 1890 bis 1980. Herausragende Exponate sind die alte Drogerie mit einer Einrichtung aus der Zeit des Jugendstils, ein alter Kiosk sowie ein Klassenzimmer aus der Zeit um 1900. Begrüßt werden die Besucher gleich zu Beginn von der „Dame aus Beton“, der Skulptur „Gisela“ des Bochumer Künstlers Olaf Kuhoff, die mit Lockenwicklern und Kissen aus einem Fenster lehnt. Weitere Informationen zu dieser Rundtour (ca. 50 km) sind beim Vereinsvorsitzenden Theodor Beckmann (Tel. 02363-65852) erhältlich. Eine förmliche Anmeldung ist nicht erforderlich.



Foto: Am Empfang des Wanner Heimatmuseums Unser Fritz begrüßt „Gisela“, die „Dame aus Beton“ des Bochumer Künstlers Olaf Kuhoff den Vorsitzenden des Dattelner Heimatvereins.

Dattelner Ratsherren mit Migrations-Hintergrund sprechen beim Heimatverein über ihre Arbeit

von Alfred Pfeifer, Dattelner Morgenpost vom 14. Juni 2017

DATTELN. „Ich kann bis heute kein Fußballspiel Deutschland gegen die Türkei gucken. Da bin ich hin- und hergerissen, beides ist meine Heimat“, gestand der SPD-Ratsherr Hakki Sancaktaroglu jetzt bei einem Besuch des Plattdeutschen Sprach- und Heimatvereins. Unter dem Titel „Heimat finden“ hatte der Verein drei Kommunalpolitiker mit Migrations-Hintergrund eingeladen, über die Beweggründe für ihr politisches Engagement in ihrer Heimatstadt Datteln zu sprechen.

Moderiert vom Vorsitzenden des Heimatvereins, Theo Beckmann, wurde es ein sehr interessanter und kurzweiliger Nachmittag im frisch renovierten Dorfschultenhof.

Die drei Ratsmitglieder Mohamad El-Zein (Grüne), Muhammet Aytekin (CDU) und Hakki Sancaktaroglu (SPD) sind natürlich längst deutsche Staatsbürger, aber ihr Weg dorthin, ihre Vogeschichten sind ganz unterschiedlich.

Der CDU-Ratsherr Muhammet Aytekin zum Beispiel kam erst mit 18 Jahren nach dem Abitur in der Türkei nach Deutschland. „Mein Vater war schon zehn Jahre zuvor, 1964, als Gastarbeiter nach Deutschland gegangen. Er war Bergmann auf der Zeche Ewald. Damals waren alle wertvollen Sachen made in Germany. Deshalb wollte ich unbedingt hierher. Mein Vater hat das nicht gern gesehen, er wollte, dass ich in der Türkei bleibe.“ In den 70er und 80er-Jahren machte Aytekin dann seine prägenden Erfahrungen, die ihn schließlich in die Politik führten. „Die türkischen Gastarbeiter der ersten und zweiten Generation haben ganz viel falsch gemacht. Sie haben immer wieder gesagt, dass sie eines Tages zurück gehen werden, haben ihr ganzes Geld in die Türkei geschickt und dort Häuser gebaut, die dort später alle leer standen, während sie hier in Schlichtwohnungen lebten und sich in Gettos abschotteten.“ Ein weiterer gewichtiger Schritt in die falsche Richtung sei das Aufkommen des Satellitenfernsehens gewesen. Nun lebten immer mehr Migranten in Parallelgesellschaften. Dagegen wollte Aytekin etwas tun. Zunächst als Vorsitzender des Ausländerbeirates (1999), und wenig später kandidierte er für den Stadtrat, weil er erkannte, dass er dort sehr viel mehr bewegen konnte. Wie wichtig sein politisches Engagement sei, das könne man daran sehen, „dass beim Referendum 70 Prozent der Türken im Ruhrgebiet gegen die Demokratie gewählt haben“.

Auch der Grünen-Politiker Mohamad El-Zein hatte frühzeitig großes Vertrauen in die politischen Gremien seiner neuen Heimat. Als Kind des Bürgerkrieges im Libanon kam er im Dezember 1986 nach Datteln und wurde „hier sehr herzlich aufgenommen“. Als ältester Sohn der Familie war er schon früh für seine acht Geschwister mitverantwortlich. „Da habe ich es mit der Schule nicht so genau genommen.“ Nur gut, dass es in den entscheidenden Momenten immer wieder engagierte Dattelner gab, die ihn unter ihre Fittische nahmen. Mal war es die Lehrerin, mal war es der Lehrmeister. Am Ende machte El-Zein Karriere und schaffte die Prüfung zum Konditormeister. Seine Unterstützer von damals sind für ihn leuchtende Beispiele, dass es sich lohnt, sich für andere einzusetzen. Da war der Weg in die Kommunalpolitik nicht mehr weit, „denn ich war mir sicher, dass ich im Stadtrat etwas verändern kann“. Aus eigener, guter Erfahrung rät Mohamad El-Zein den Geflüchteten, die heute hier her kommen: „Macht Sprachkurse, besucht Integrationskurse, kniet euch in der Schule rein. Das ist eine große Chance für euch.“

Sozialdemokrat Hakki Sancaktaroglu ist gebürtiger Dattelner („Meine Kinder sind jetzt die dritte Generation Ruhrgebiet“, sagt der Ratsherr schmunzelnd). Allerdings wurde er mit einem Jahr zu den Großeltern in die Türkei geschickt, weil die hart arbeitenden Eltern sich nicht ausreichend kümmern konnten. Erst mit zehn Jahren kam Hakki zurück. Sehr zielstrebig nahm er als junger Mann ein Ingenieurstudium auf, das er mit Diplom abschloss, um dann noch ein zweites Studium zum Bankwirt anzuhängen. Im Jugendzentrum kam er das erste Mal mit Politik in Berührung. Und weil er „keine richtige Kindheit“ hatte und seine Familie in jungen Jahren sehr vermisste, ist ihm Familienpolitik bis heute besonders wichtig und eine Triebfeder seiner politischen Arbeit. Es gehe ihm aber auch darum, zu zeigen: „Ich gehöre nicht in eine Sonder-Schublade, ich bin einer von euch!“



Foto: Der Heimatverein lud zum Kaffeetrinken mit Ratsherren (v.l.): Mohamad El-Zein, Theo Beckmann, Muhammet Aytekin und Hakki Sancaktaroglu.

Beginn: 7. Juni 2017, 14:30 Uhr im Dorfschultenhof Datteln, Genthiner Straße 7

Unter dem Motto „Heimat finden“ hat der Plattdeutsche Sprach- und Heimatverein drei Dattelner Stadtvertreter mit Migrationshintergrund eingeladen. Im Dorfschultenhof (ehem. Hermann-Grochtmann-Museum) werden Muhammet Aytekin (CDU), Hakki Sancaktaroglu (SPD) und Mohamad El-Zein (WG Die Grünen) am 7. Juni 2017 um 14:30 Uhr von ihren Erfahrungen und Erlebnissen berichten, die sie bewegt haben, sich kommunalpolitisch für ihre „Heimatstadt Datteln“ zu engagieren. Sie wohnen und leben in dieser Stadt; das Wohl und Gedeihen dieser Stadt liegt ihnen am Herzen. Sie werden erzählen, wie es dazu kam, dass sie in Datteln ankamen, wie sie hier heimisch wurden und wie sich bei ihnen als persönliches Lebensziel der Wunsch entwickelte, in „ihrer Stadt Datteln“ verantwortliche Funktionen zu übernehmen. Und sicherlich werden sie darüber sprechen, wie lebens- und liebenswert diese Stadt ist und dass kommunalpolitisches Engagement Sinn und Spaß macht, immer in der Absicht, die Stadt voranzubringen und weiterzuentwickeln.

Hochzufrieden mit all dem, was Ihnen an diesem warmen, wunderschönen Sommertag geboten wurde, sind die Teilnehmer der Fahrt des Plattdeutschen Sprach- und Heimatvereins in den nordwestlichen Zipfel Westfalens nach Datteln heimgekehrt. Sie hatten den Wechsel des ehemaligen Pfarrers in Datteln, Martin Limberg, ins Gertrudenstift zu Rheine zum Anlass genommen, dem Stift und dem nahe liegenden Kloster Bentlage einen Besuch abzustatten. Das neue Gertrudenstift wurde am 20. März 2005 durch Bischof Dr. Reinhard Lettmann eingeweiht. Martin Limberg, der heute Spiritual in diesem Bischöflichen Exerzitien- und Fortbildungshaus ist, erzählte seinen Gästen aus Datteln von seiner Arbeit in Rheine und zeigte ihnen den modernen, offenen und gradlinigen Bau des Hauses, das allen Suchenden und Christen, Pfarreien, Gemeinschaften und Verbänden ein Ort der Begegnung, der Bildung und der lebendigen Spiritualität sein will.

Nach dem Mittagessen im Gertrudenstift wanderten die Dattelner Heimatfreunde ins benachbarte Kloster Schloss Bentlage. Wegen seiner Lage an der Ems, inmitten der mehrere Jahrtausende alten Kulturlandschaft des Bentlager Waldes, ist das Klosterschloss ein beliebtes Ausflugsziel für (Rad)-Wanderer und Kulturliebhaber. In einem einstündigen Rundgang ließen sich die Besucher über die fast 600jährige Geschichte und die vielfältigen Nutzungen der Klosteranlage heute informieren: das Kloster wurde 1437 von den Kreuzherren des Ordens des Heiligen Kreuzes gegründet und war bis zur Auflösung durch Napoleon 1803 auf seine heutige Größe angewachsen. Besonderen Eindruck hinterließen die zwei spätmittelaterlichen Reliquienschreine im Klostermuseum, sowie die Malereien der bekannten westfälischen Künstler August Macke, Wilhelm Morgner, Paula Modersohn-Becker, Otto Modersohn oder Christian Rohlfs in der „Westfälischen Galerie“. Kaffee und Kuchen unter den riesigen Kastanien des Klostercafés am Ufer der Ems rundeten den gelungenen Tag ab.



Foto: Spiritual Martin Limberg empfängt seine Gäste aus seiner ehemaligen Dattelner Pfarrei an seiner neuen Wirkungsstätte im Foyer des Gertrudenstifts in Rheine-Bentlage.

Der Plattdeutsche Sprach- und Heimatverein Datteln nimmt den Wechsel des ehemaligen Pfarrers in Datteln, Martin Limberg, ins Gertrudenstift zu Rheine zum Anlass für einen Besuch des Stiftes und des nahe liegenden Klosters Bentlage am 27. Mai 2017. Er möchte Mitglieder und Gäste einladen mitzufahren.

Das neue Gertrudenstift wurde am 20. März 2005 durch Bischof Dr. Reinhard Lettmann eingeweiht. Mit seiner modernen, offenen und gradlinigen Ästhetik möchte das Haus als Exerzitien- und Bildungshaus des Bistums Münster allen Suchenden und Christen, Pfarreien, Gemeinschaften und Verbänden ein Ort der Begegnung, der Bildung und der lebendigen Spiritualität werden. Martin Limberg ist heute Spiritual im Bischöflichen Exerzitien- und Fortbildungshaus und Leiter der Diözesanstelle "Berufe der Kirche" in Münster.

Am Nachmittag erfahren wir in einem Rundgang durch das Kloster Bentlage Wissenswertes über das Kloster heute und seine 500jährige Geschichte. Highlights der Führung sind die spätmittelaterlichen Reliquiengärten im Klostermuseum, sowie die Malereien in der Westfälischen Galerie.

Abfahrt: 9:00 Uhr vom Neumarkt, Rückkehr gegen 20 Uhr. Unkostenbeitrag 35 Euro/Person. Anmeldungen bei Theodor Beckmann Tel. 02363-65852.