{mosimage}Schwarzer Tee und grüner Tee, Pfefferminztee und Kamillentee: Wer kennt sie nicht und hätte nicht schon mal eine oder mehrere Sorten dieser Aufgüsse aus Blüten, Blättern oder anderen Pflanzenteilen zu sich genommen? Des Geschmackes wegen und (oder) als Gesundheitselixier. Der Apotheker Dr. Carlheinz Münnighoff kennt als versierter Heilpflanzen- und Kräuterexperte noch viele andere Teemischungen mehr. In einem kleinen Tee-Seminar hat er jetzt im Hermann Grochtmann-Museum die Mitglieder des Plattdeutschen Sprach- und Heimatvereins Datteln an seinem Wissen teilhaben lassen. > weiter

Heimatverein

Volles Haus im Museum bei der Neujahrsbegrüßung des Plattdeutschen Sprach- und Heimatvereins Datteln.  Foto: Rottmann   

"Met Pauken un Trompeten, met Knallfüörsk un Raketen, met Pröesterkes un Lichtkes, met Sprüchskes un Gedichtkes wurd ’t inluet un et es nu doar – dat niege Jaohr." Mit diesen plattdeutschen Versen aus der Sammlung "Sunn un Riägn" von Paula Wilken stimmte die Vorsitzende des Plattdeutschen Sprach- und Heimatvereins Datteln, Gertrud Ritter, die zahlreich zur Neujahrsbegrüßung des Vereins im Hermann Grochtmann-Museum erschienenen Mitglieder auf das neue Jahr ein.

Bei, traditionell von Mitglied Ilse Weiring gebackenen, zartknusprig leckeren Neujährchen blickte Gertrud Ritter zunächst auf ein "bewegtes Vereinsjahr" 2009 zurück. So hatten die Freunde der „Moderspraoke“ ihren Spaß an einer Aufführung der Komödie „De dubbelte Jochen“ der Plattdeutschen Bühne Recklinghausen in der Stadthalle, feierten am Gründonnerstag auf Plattdeutsch ökumenischen Gottesdienst in der Friedenskirche und sangen kräftig mit beim offenen Volksliedersingen mit MSD-Chef Christoph Vatheuer im Museum. Ausflüge mit dem Bus ins Sauerland, zur Varus-Ausstellung in Detmold, zum Weihnachtsmarkt nach Soest und per Fahrrad am Tag des offenen Denkmals vom Hermann Grochtmann-Museum nach Meckinghoven zur neuen Zeittafel an der Grundschule Meckinghoven machten den touristischen Part des Vereinsjahres 2009 aus. Ein „Erntedank op Platt“, so wie spannende Vorträge zu interessanten Themen von Professor Dr. Egbert Daum und Dr. Carlheiz Münnighoff rundeten das Programm ab.

Der bekannte Dattelner Apotheker Dr. Carlheinz Münnighoff läutet am 17. Februar mit einer Heilkräuterverköstigung auch das Jahresprogramm 2010 des Heimatvereins ein. Am 9. März, 65 Jahre nach dem großen Bombardement auf Datteln, gastiert Dr. Ulrich Grochtmann mit einem Vortrag im – nach seinem Vater benannten – Museum. Gründonnerstag, 1. April, werden Pfarrer Hans Overkämping und Schifferpastor Horst Borrieß wieder mit den Heimatfreunden aus Datteln und Waltrop „op Platt“ Karwochen-Gottesdienst feiern. Auch am Beitrag Dattelns zur Kulturhauptstadt Ruhr wollen sich die „Plattdeutschen“ beteiligen. Ein genaues Programm steht noch nicht fest. Für Juni ist eine Kreuzwegbegehung mit Paul Reding in Waltrop vorgesehen und im Sommer soll es auf Wunsch vieler Mitglieder noch einmal nach Soest gehen. Als weitere Ziele sind das Museum Folkwang in Essen und die Arena auf Schalke gedacht. Gertrud Ritter, Eberhard Holz, Josef Weiring und Adelheid Haas würzten die Vorschau mit amüsanten „Sprüchskes und Gedichtkes“.

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Feierten Ende 2009 Goldene Hochzeit und haben zur Neujahrsbegrüßung des Plattdeutschen Sprach- und Heimatvereins Datteln traditionell wieder ihre leckeren „Neujährchen“ nach einem alten Familienrezept gebacken: Josef und Ilse Weiring. Foto: Rottmann

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Professor Dr. Egbert Daum, Gertrud Ritter und der druckfrische Vestische Kalender 2010. Foto: Andreas Kalthoff
 

Ex-Uni-Professor schreibt im Vestischen Kalender über Renovierungssünden im Beisenkamp

Der Beisenkamp heute – ein Anblick, der Professor Dr. Egbert Daum in der Seele weh tut. „Politiker und Denkmalschutz haben versagt. Sie haben die Chance vertan, ein Stück kulturellen Erbes des Ruhrgebiets zu retten.“
Zur neuen Ausgabe des Vestischen Kalenders hat der gebürtige Dattelner (68) einen elfseitigen Text beigesteuert, über den einstigen architektonischen Charakter der 100 Jahre alten Bergbausiedlung und die Renovierungssünden im Zuge der Privatisierung seit Ende der 70er-Jahre. Titel: „Vom Umgang mit kulturellem Erbe – neue Perspektiven auf die Siedlung Beisenkamp in Datteln.“

„Ein hochinteressanter Beitrag“, findet Gertrud Ritter, die Vorsitzende des plattdeutschen Sprach- und Heimatvereins Datteln. Sie bedauert es, „dass wir damals nicht hartnäckiger waren und uns nicht noch mehr dafür stark gemacht haben, den Beisenkamp unter Denkmalschutz zu stellen.“ Damals, das war in den Jahren nach der Schließung von Zeche (1972) und Kokerei (1974). 1978 begann der Verkauf der Doppelhaushälften zu durchschnittlichen Preisen von 33000 D-Mark. Nach heutigen Maßstäben unglaubliche Schnäppchen.Dass die frisch gebackenen Hausbesitzer – zuvor meist langjährige Mieter – ihr Eigenheim nach eigenem Geschmack und Bedürfnissen umgestalten wollten, dafür hat der Professor Verständnis. „Auf der Zeche sind sie genug kontrolliert und bevormundet worden.“ Renovierungswut als Zeichen neuer Freiheit. „Jeder machte mit seinem Eigenheim, was er wollte“, sagt Daum. Die „einzigartige gestalterische Einheitlichkeit der Siedlung“ ging verloren. Alte Türen, Klappläden und Sprossenfenster verschwanden. Stattdessen gab es ein Sammelsurium von Baumarktprodukten.

So wurde aus „einem der schönsten und besterhaltenen Beispiele des Arbeitersiedlungsbaus“ ein „groteskes Negativ-Beispiel“ für den Umgang mit kulturellem Erbe. „Noch nicht einmal Hausnachbarn konnten sich auf eine einheitliche Gestaltung ihrer Haushälften einigen“, sagt Daum. Links verklinkert, rechts verputzt – solche Beispiele gibt es reichlich, aber nicht nur im Beisenkamp.

Den schwarzen Peter schiebt Daum der damaligen Stadtspitze unter Bürgermeister Horst Niggemeier in die Schuhe. Die habe, kurz vor der Kommunalwahl 1979, Wählerstimmen im Blick gehabt, als sie die bis dahin bestehende Gestaltungssatzung für den Beisenkamp lockerte und dies als Bürgerfreundlichkeit verkaufte. Die Neuauflage der Gestaltungssatzung verdiente allenfalls den Titel Verunstaltungssatzung, so Daum.Dem Negativbeispiel Beisenkamp hält der Professor ein positives entgegen: die Siedlung Dahlhauser Heide in Bochum. Beisenkamp und Dahlhauser Heide verband viel: Beides sind Krupp-Arbeitersiedlungen, entworfen vom Architekten Robert Schmohl. In Bochum sei das gelungen, was in Datteln versäumt wurde, sagt Daum. Den Bewohnern sei ein Bewusstsein für den historischen Wert ihrer Siedlung als Baudenkmal vermittelt worden. Und es gibt bis heute eine Gestaltungssatzung, die strenge Auflagen zur Gestaltung von Vorgärten, Dächern, Anbauten, Fenstern, Türen und Fassaden macht. So hat sich die Dahlhauser Heide ihren ursprünglichen Charme erhalten.

Historische Bausubstanz wurde gerettet: Fachwerkhäuser, Sprossenfenster, Lamellen-Fensterläden und vor allem der für Krupp-Arbeitersiedlungen typische einheitliche Stil.„Im Beisenkamp kam weit mehr abhanden als eine idyllische romantische Kulisse, in den Augen von Denkmalpflegern wurde ein historisches Zeugnis, ein Stück Ruhrgebiet, ein kulturelles Erbe sondergleichen verspielt“, meint Professor Daum.Aber noch sei das kulturelle Erbe nicht gänzlich verloren. Nach wie vor gebe es einige ursprüngliche Häuser. Türen, Fenster und Fassaden wie damals. „Die ganze Siedlung wird man nicht mehr retten können“, meint Daum. „Aber die letzten Reste“. Das sei eine Aufgabe für Politiker, Denkmalschützer – aber vor allem der Hausbesitzer selbst. Und vielleicht könnten einige Eigentümer ja sogar davon überzeugt werden, ihre Häuser rückzubauen, hofft Daum. „Nach dem Motto: Das will ich auch so haben, wie es früher war und nicht das vorgestanzte, gar nicht hierher passende Zeugs aus dem Baumarkt.“ 
Von Björn Korte

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Schick renoviert, aber nicht nach Regeln des Denkmalschutzes. Im Beisenkamp ist seit Ende der 70er-Jahre ein bauhistorisch bedeutsames Stück Ruhrgebietsgeschichte verloren gegangen, beklagt Prof. Dr. Egbert Daum im neuen Vestischen Kalender. Foto: Andreas Kalthoff

 

Kurzporträt: Prof. Dr. Egbert Daum

Geboren 1941 in Datteln, aufgewachsen am Neuen Weg in Meckinghoven. Sein Vater kam 1945 bei einem Bombenangriff in Datteln ums Leben. Zwölf Jahre war Daum Professor für Geografie an der Universität Osnabrück . Vor zwei Jahren emeritierte er. Daum lebt in Verl bei Gütersloh, hat den Kontakt zu seiner alten Heimat aber nie abreißen lassen.

Der Vestische Kalender 2010 

 

304 Seiten stark ist die 81. Ausgabe des Vestischen Kalenders. Das Buch kostet 21,45 Euro und ist in Datteln u.a. in den Buchhandlungen Deilmann und Tänzer sowie bei der Vorsitzenden des Heimatvereins, Gertrud Ritter, zu haben: Schlossstraße 45, 62019.Neben einem Kalender mit Museums-Fotos aus der Region, einer Übersicht über die Museen im Vest und vielen Geschichten zu Historie, Kunst, Kultur und Natur in Dattelns Nachbarstädten sowie Mundart und Gedichten gibt es auch wieder Beiträge von Dattelnern. Der gebürtige Dattelner Prof. Dr. Egbert Daum hat über den Beisenkamp geschrieben, Rita Möcklinghoff-Kohts über mittelalterliche Gerichtsbarkeit in Waltrop und Datteln. Von Elisabeth Wiesenhöfer und Eberhard Holz stammen zwei Gedichte „auf Platt“.
 

 

{mosimage}`n Stücksken Prumentart auf dem Teller, `n paar Äppelkes aus Theo Vehlings Garten in Meckinghoven auf den herbstlich dekorierten Tischen und `ne Muul vull Vertällkes, Gedichtkes und Liedkes. Der Plattdeutsche Sprach- und Heimatverein Datteln feierte Erntedank im Hermann Grochtmann-Museum. Und die Akteure brachen dabei unter dem Motto „Erntedank – gissen und vandaag“ eine Lanze für die Pflege der heimatlichen Mundart, in deren Tonfall so manche kleine, aber feine (Lebens-)Weisheit und so manche gut gemeinte Kritik viel liebenswürdiger ihren Adressaten erreichen als im harten Hochdeutsch > weiter


{mosimage}100 Jahre, das ist eine lange Zeit. Für Kinder geradezu unvorstellbar lang. Und so ging gestern Morgen ein Raunen durch die Menge, als Gertrud Ritter erzählte, dass das Gebäude der Meckinghover Grundschule so alt ist. Nachzulesen ist das auf der Zeittafel, die der Plattdeutsche Sprach- und Heimatverein erarbeitet hat > weiter