Aktuelles

  • Spannendes Programm für 2010

    Wahlen zum Vorstand standen keine an in der ein bisschen anderen Jahreshauptversammlung des Plattdeutschen Sprach- und Heimatvereins Datteln im Hermann Grochtmann-Museum. Die Entlastung des Vorstandes erfolgte einstimmig. Die Vizevorsitzende Maria Huxel ließ ein erfolgreiches Jahr 2009 Revue passieren und die Vorsitzende Gertrud Ritter kündigte ein spannendes Vereinsprogramm für 2010 an.

    Da wird am Mittwoch, 19. Mai um 15 Uhr zunächst eine neue Hinweistafel am historischen Wanderweg am Schiffshebewerk enthüllt. Am Sonntag, 30. Mai um 15 Uhr leistet der Verein einen Beitrag zum Ruhr 2010-Spektakel „Schachtzeichen“ mit einer öffentlichen Veranstaltung mit Wortbeiträgen und Musik im Zelt am Eon-Würfel zum Thema „Unsere Sprache im Wandel der Zeiten“. Unter anderem mit einem „Bauer, Bergmann, Businessmacher – von Platt bis Denglisch“ betitelten Vortrag von Gertrud Ritter. Im weiteren Verlauf des Jahres soll es mit Josef Reding auf den Kreuzweg in Waltrop gehen. Ausflüge mit Besichtigungen nach Soest (Sommer) und in die Arena auf Schalke (6. Oktober) sind ebenso geplant, wie ein Vortrag von Dr. Carlheinz Münnighoff über seine Afrika-Reise.

    Im Museum wird der Reichspogromnacht gedacht (November) und im Dezember Weihnachten gefeiert. „Ein bisschen andere Jahreshauptversammlung“ deshalb, weil sich die Teilnehmer viel Zeit nahmen, die Ausstellung „Biodiversität in der Kulturlandschaft“ mit zu eröffnen, deren Mitautoren Werner Gessner-Krone vom Westfälischen Heimatbund bei seinem Einführungsreferat zu lauschen und ihm auf einer Runde durch die Ausstellung zu folgen. Gessner-Krone macht in der Schau – übrigens passend zu 2010 als dem „Jahr der Biodiversität (Artenvielfalt) – am Beispiel seiner Heimatregion Tecklenburg deutlich, wie sich die biologische Vielfalt seit Beginn der industriellen Revolution durch Vernachlässigung und Zerstörung verändert hat. „Seien wir uns bewusst“; sagt Werner Gesssner-Krone, „das Problem Biodiversität lässt sich lösen. Auch – oder gerade – mit oder in einer alten Kulturlandschaft.“ Der Mensch müsse für das Thema sensibilisiert, und das Interesse an der jeweils eigenen Kulturlandschaft geweckt werden. Das möchte er mit der Ausstellung erreichen, mit der er seit 2008 durchs Land tourt: „Es liegt in unserer Verantwortung, die Vielfalt zu bewahren und für kommende Generationen zu erhalten. Wenn eine Art ausstirbt, ist sie für immer verloren. Es gibt keinen Ersatz, keinen Ausgleich.“

  • Erinnerung: 1200 Bomben auf Datteln

    Vor 65 Jahren erlebte die Stadt ihren schwersten Luftangriff

    Die Menschen, die gestern bei Sonnenschein durch die Fußgängerzone bummelten, werden wohl kaum daran gedacht haben, wie die Hohe Straße exakt vor 65 Jahren ausgesehen hat. Wer damals hier entlang lief, musste sich durch Schuttberge kämpfen. Datteln hatte soeben den schwersten Luftangriff des Zweiten Weltkriegs erlebt.

    Die Menschen, die sich gestern Nachmittag im Grochtmann-Museum trafen, haben sehr wohl an die schlimmen Ereignisse gedacht. Der Sprach- und Heimatverein hatte anlässlich des Jahrestages des Bombardements der Stadt am 9. März 1945 zu einer kleinen Gedenkfeier eingeladen. Unter den Gästen, die Vorsitzende Gertrud Ritter im Museum begrüßte, waren viele Zeitzeugen, die den Bombenhagel auf Datteln selbst miterlebt haben. Und Dr. Ulrich Grochtmann, der anlässlich des Jahrestages zum Thema „Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges“ referierte und die politischen Hintergründe und Ereignisse beleuchtete, die zum Zweiten Weltkrieg führten. Ein Zeitpunkt, zu dem noch niemand ahnte, dass die Bomber der Alliierten wenige Jahre später den Pütt, die Amandus-Kirche und Teile der Innenstadt in Schutt und Asche, und durch Angriffe auf die Wasserstraßen Dattelns die Kanäle trocken legten.

    Gertrud Ritter zitierte aus einem Beitrag von Heimatforscher Heinz Schulte- Althoff. Seinen Recherchen zufolge sind beim Luftangriff am 9. März rund 1 200 Sprengbomben auf Datteln abgeworfen worden. Es war der lange befürchtete Großangriff auf die Zechenanlagen, nachdem Anfang 1944 erstmals die Schachtanlagen in der Stadt angegriffen wurden. Im Bombenhagel des 9. März verloren fast 600 Menschen in Datteln ihr Leben.

    Uwe Wallkötter / Dattelner Morgenpost

  • Tee, Heilkräuter und Heilpflanzen

    Schwarzer Tee und grüner Tee, Pfefferminztee und Kamillentee: Wer kennt sie nicht und hätte nicht schon mal eine oder mehrere Sorten dieser Aufgüsse aus Blüten, Blättern oder anderen Pflanzenteilen zu sich genommen? Des Geschmackes wegen und (oder) als Gesundheitselixier. Der Apotheker Dr. Carlheinz Münnighoff kennt als versierter Heilpflanzen- und Kräuterexperte noch viele andere Teemischungen mehr. In einem kleinen Tee-Seminar hat er jetzt im Hermann Grochtmann-Museum die Mitglieder des Plattdeutschen Sprach- und Heimatvereins Datteln an seinem Wissen teilhaben lassen.

    Und Tee gekocht zum Probieren. Mate-Tee und einen Kräutertee: „Damit die Leute direkt den Unterschied schmecken können zwischen dem koffeinhaltigen Genussmittel Mate aus Südamerika, das man anstelle von schwarzem Tee oder Kaffee zu sich nimmt, und einem Gesundheitstee, bei dem das Hauptaugenmerk nicht auf Geschmack, sondern auf Wirkung gerichtet ist.“ Wobei, so Dr. Münnighoff, es durchaus keine Sünde sei, wenn man ein bitter schmeckendes Gesundheitsgebräu durch wohl dosiertes Hinzufügen von etwa Honig, Hibiskus oder Süßholz geschmacklich erträglicher gestalte: „Besonders, wenn so eine Teemischung im Rahmen einer Therapie über längere Zeit getrunken werden muss.“ Münnighoff warnt davor, bei schweren Erkrankungen ausschließlich auf Tee- Therapie zu setzen: „Das kann nur begleitend geschehen und eine profunde ärztliche Behandlung niemals ersetzen.“ Auch Teepflanzen und -kräuter selber zu suchen, sei ähnlich einzustufen wie das Sammeln von Pilzen: „Das darf nur der tun, der diese Pflanzen ganz sicher kennt, sonst geht das nicht gut.

    Alle wichtigen Heilpflanzen werden heutzutage professionell angebaut und die Teemischungen gibt es in der Apotheke.“ Wie zum Beispiel aktuell einen Grippetee, in dem Zutaten wie Holunderblüten, Lindenblüten, Weidenrinde, Süßholz und Pfefferminze das Fieber senken und dem Immunsystem auf die Sprünge helfen. Gar acht Ingredienzien sorgen im Schlaf- und Nerventee für entspannte Ruhe: Baldrian, Johanniskraut, Hopfen, Melisse, Lavendel, Weißdorn, Hibiskus und Rosmarin. Milchbildung bei jungen Müttern soll ein Teegemisch aus Anis, Kümmel, Fenchel und Brennnessel bewirken. Für kranke Blasen und Nieren sind ebenso Kräutlein gewachsen wie bei Bronchitis und zur Entwässerung. „Und das“, so Dr. Münnighoff, „zwar zerkleinert in der Tüte für die Tasse, aber nicht als Pulver im Aufgussbeutel. So kann jeder seine Dosierung selber wählen. Das ist wichtig.“

    Text/Bild: Rottmann

  • Neujahrsbegrüßung des Heimatvereins

    Heimatverein

    Volles Haus im Museum bei der Neujahrsbegrüßung des Plattdeutschen Sprach- und Heimatvereins Datteln. Foto: Rottmann

    „Met Pauken un Trompeten, met Knallfüörsk un Raketen, met Pröesterkes un Lichtkes, met Sprüchskes un Gedichtkes wurd ’t inluet un et es nu doar – dat niege Jaohr.“ Mit diesen plattdeutschen Versen aus der Sammlung „Sunn un Riägn“ von Paula Wilken stimmte die Vorsitzende des Plattdeutschen Sprach- und Heimatvereins Datteln, Gertrud Ritter, die zahlreich zur Neujahrsbegrüßung des Vereins im Hermann Grochtmann-Museum erschienenen Mitglieder auf das neue Jahr ein.

    Bei, traditionell von Mitglied Ilse Weiring gebackenen, zartknusprig leckeren Neujährchen blickte Gertrud Ritter zunächst auf ein „bewegtes Vereinsjahr“ 2009 zurück. So hatten die Freunde der „Moderspraoke“ ihren Spaß an einer Aufführung der Komödie „De dubbelte Jochen“ der Plattdeutschen Bühne Recklinghausen in der Stadthalle, feierten am Gründonnerstag auf Plattdeutsch ökumenischen Gottesdienst in der Friedenskirche und sangen kräftig mit beim offenen Volksliedersingen mit MSD-Chef Christoph Vatheuer im Museum. Ausflüge mit dem Bus ins Sauerland, zur Varus-Ausstellung in Detmold, zum Weihnachtsmarkt nach Soest und per Fahrrad am Tag des offenen Denkmals vom Hermann Grochtmann-Museum nach Meckinghoven zur neuen Zeittafel an der Grundschule Meckinghoven machten den touristischen Part des Vereinsjahres 2009 aus. Ein „Erntedank op Platt“, so wie spannende Vorträge zu interessanten Themen von Professor Dr. Egbert Daum und Dr. Carlheiz Münnighoff rundeten das Programm ab.

    Der bekannte Dattelner Apotheker Dr. Carlheinz Münnighoff läutet am 17. Februar mit einer Heilkräuterverköstigung auch das Jahresprogramm 2010 des Heimatvereins ein. Am 9. März, 65 Jahre nach dem großen Bombardement auf Datteln, gastiert Dr. Ulrich Grochtmann mit einem Vortrag im – nach seinem Vater benannten – Museum. Gründonnerstag, 1. April, werden Pfarrer Hans Overkämping und Schifferpastor Horst Borrieß wieder mit den Heimatfreunden aus Datteln und Waltrop „op Platt“ Karwochen-Gottesdienst feiern. Auch am Beitrag Dattelns zur Kulturhauptstadt Ruhr wollen sich die „Plattdeutschen“ beteiligen. Ein genaues Programm steht noch nicht fest. Für Juni ist eine Kreuzwegbegehung mit Paul Reding in Waltrop vorgesehen und im Sommer soll es auf Wunsch vieler Mitglieder noch einmal nach Soest gehen. Als weitere Ziele sind das Museum Folkwang in Essen und die Arena auf Schalke gedacht. Gertrud Ritter, Eberhard Holz, Josef Weiring und Adelheid Haas würzten die Vorschau mit amüsanten „Sprüchskes und Gedichtkes“.

    Heimatverein

    Feierten Ende 2009 Goldene Hochzeit und haben zur Neujahrsbegrüßung des Plattdeutschen Sprach- und Heimatvereins Datteln traditionell wieder ihre leckeren „Neujährchen“ nach einem alten Familienrezept gebacken: Josef und Ilse Weiring. Foto: Rottmann

  • Beisenkamp – verbautes Erbe

    beisenkamp

    Professor Dr. Egbert Daum, Gertrud Ritter und der druckfrische Vestische Kalender 2010. Foto: Andreas Kalthoff

    Ex-Uni-Professor schreibt im Vestischen Kalender über Renovierungssünden im Beisenkamp

    Der Beisenkamp heute – ein Anblick, der Professor Dr. Egbert Daum in der Seele weh tut. „Politiker und Denkmalschutz haben versagt. Sie haben die Chance vertan, ein Stück kulturellen Erbes des Ruhrgebiets zu retten.“

    Zur neuen Ausgabe des Vestischen Kalenders hat der gebürtige Dattelner (68) einen elfseitigen Text beigesteuert, über den einstigen architektonischen Charakter der 100 Jahre alten Bergbausiedlung und die Renovierungssünden im Zuge der Privatisierung seit Ende der 70er-Jahre. Titel: „Vom Umgang mit kulturellem Erbe – neue Perspektiven auf die Siedlung Beisenkamp in Datteln.“

    „Ein hochinteressanter Beitrag“, findet Gertrud Ritter, die Vorsitzende des plattdeutschen Sprach- und Heimatvereins Datteln. Sie bedauert es, „dass wir damals nicht hartnäckiger waren und uns nicht noch mehr dafür stark gemacht haben, den Beisenkamp unter Denkmalschutz zu stellen.“ Damals, das war in den Jahren nach der Schließung von Zeche (1972) und Kokerei (1974). 1978 begann der Verkauf der Doppelhaushälften zu durchschnittlichen Preisen von 33000 D-Mark. Nach heutigen Maßstäben unglaubliche Schnäppchen.Dass die frisch gebackenen Hausbesitzer – zuvor meist langjährige Mieter – ihr Eigenheim nach eigenem Geschmack und Bedürfnissen umgestalten wollten, dafür hat der Professor Verständnis. „Auf der Zeche sind sie genug kontrolliert und bevormundet worden.“ Renovierungswut als Zeichen neuer Freiheit. „Jeder machte mit seinem Eigenheim, was er wollte“, sagt Daum. Die „einzigartige gestalterische Einheitlichkeit der Siedlung“ ging verloren. Alte Türen, Klappläden und Sprossenfenster verschwanden. Stattdessen gab es ein Sammelsurium von Baumarktprodukten.

    So wurde aus „einem der schönsten und besterhaltenen Beispiele des Arbeitersiedlungsbaus“ ein „groteskes Negativ-Beispiel“ für den Umgang mit kulturellem Erbe. „Noch nicht einmal Hausnachbarn konnten sich auf eine einheitliche Gestaltung ihrer Haushälften einigen“, sagt Daum. Links verklinkert, rechts verputzt – solche Beispiele gibt es reichlich, aber nicht nur im Beisenkamp.

    Den schwarzen Peter schiebt Daum der damaligen Stadtspitze unter Bürgermeister Horst Niggemeier in die Schuhe. Die habe, kurz vor der Kommunalwahl 1979, Wählerstimmen im Blick gehabt, als sie die bis dahin bestehende Gestaltungssatzung für den Beisenkamp lockerte und dies als Bürgerfreundlichkeit verkaufte. Die Neuauflage der Gestaltungssatzung verdiente allenfalls den Titel Verunstaltungssatzung, so Daum.Dem Negativbeispiel Beisenkamp hält der Professor ein positives entgegen: die Siedlung Dahlhauser Heide in Bochum. Beisenkamp und Dahlhauser Heide verband viel: Beides sind Krupp-Arbeitersiedlungen, entworfen vom Architekten Robert Schmohl. In Bochum sei das gelungen, was in Datteln versäumt wurde, sagt Daum. Den Bewohnern sei ein Bewusstsein für den historischen Wert ihrer Siedlung als Baudenkmal vermittelt worden. Und es gibt bis heute eine Gestaltungssatzung, die strenge Auflagen zur Gestaltung von Vorgärten, Dächern, Anbauten, Fenstern, Türen und Fassaden macht. So hat sich die Dahlhauser Heide ihren ursprünglichen Charme erhalten.

    Historische Bausubstanz wurde gerettet: Fachwerkhäuser, Sprossenfenster, Lamellen-Fensterläden und vor allem der für Krupp-Arbeitersiedlungen typische einheitliche Stil.„Im Beisenkamp kam weit mehr abhanden als eine idyllische romantische Kulisse, in den Augen von Denkmalpflegern wurde ein historisches Zeugnis, ein Stück Ruhrgebiet, ein kulturelles Erbe sondergleichen verspielt“, meint Professor Daum.Aber noch sei das kulturelle Erbe nicht gänzlich verloren. Nach wie vor gebe es einige ursprüngliche Häuser. Türen, Fenster und Fassaden wie damals. „Die ganze Siedlung wird man nicht mehr retten können“, meint Daum. „Aber die letzten Reste“. Das sei eine Aufgabe für Politiker, Denkmalschützer – aber vor allem der Hausbesitzer selbst. Und vielleicht könnten einige Eigentümer ja sogar davon überzeugt werden, ihre Häuser rückzubauen, hofft Daum. „Nach dem Motto: Das will ich auch so haben, wie es früher war und nicht das vorgestanzte, gar nicht hierher passende Zeugs aus dem Baumarkt.“

    Von Björn Korte

    beisenkamp

    Schick renoviert, aber nicht nach Regeln des Denkmalschutzes. Im Beisenkamp ist seit Ende der 70er-Jahre ein bauhistorisch bedeutsames Stück Ruhrgebietsgeschichte verloren gegangen, beklagt Prof. Dr. Egbert Daum im neuen Vestischen Kalender. Foto: Andreas Kalthoff

    Kurzporträt: Prof. Dr. Egbert Daum

    Geboren 1941 in Datteln, aufgewachsen am Neuen Weg in Meckinghoven. Sein Vater kam 1945 bei einem Bombenangriff in Datteln ums Leben. Zwölf Jahre war Daum Professor für Geografie an der Universität Osnabrück . Vor zwei Jahren emeritierte er. Daum lebt in Verl bei Gütersloh, hat den Kontakt zu seiner alten Heimat aber nie abreißen lassen.

    Der Vestische Kalender 2010

    304 Seiten stark ist die 81. Ausgabe des Vestischen Kalenders. Das Buch kostet 21,45 Euro und ist in Datteln u.a. in den Buchhandlungen Deilmann und Tänzer sowie bei der Vorsitzenden des Heimatvereins, Gertrud Ritter, zu haben: Schlossstraße 45, 62019.Neben einem Kalender mit Museums-Fotos aus der Region, einer Übersicht über die Museen im Vest und vielen Geschichten zu Historie, Kunst, Kultur und Natur in Dattelns Nachbarstädten sowie Mundart und Gedichten gibt es auch wieder Beiträge von Dattelnern. Der gebürtige Dattelner Prof. Dr. Egbert Daum hat über den Beisenkamp geschrieben, Rita Möcklinghoff-Kohts über mittelalterliche Gerichtsbarkeit in Waltrop und Datteln. Von Elisabeth Wiesenhöfer und Eberhard Holz stammen zwei Gedichte „auf Platt“.

  • Erntedank: Vertällkes, Gedichtkes und Liedkes

    erntedank

    Reges „Platt kürn van gissen un vandaage“ war angesagt beim gemütlichen Erntedank des Plattdeutschen Sprach- und Heimatvereins Datteln im Museum.

    ’n Stücksken Prumentart auf dem Teller, ’n paar Äppelkes aus Theo Vehlings Garten in Meckinghoven auf den herbstlich dekorierten Tischen und ’ne Muul vull Vertällkes, Gedichtkes und Liedkes. Der Plattdeutsche Sprach- und Heimatverein Datteln feierte Erntedank im Hermann Grochtmann-Museum.

    Und die Akteure brachen dabei unter dem Motto „Erntedank – gissen und vandaag“ eine Lanze für die Pflege der heimatlichen Mundart, in deren Tonfall so manche kleine, aber feine (Lebens-)Weisheit und so manche gut gemeinte Kritik viel liebenswürdiger ihren Adressaten erreichen als im harten Hochdeutsch. Johanna Grothusmann (84), der „wandelnde Gedichtband“ aus Flaesheim, hat auswendig und schlagfertig nahezu zu jedem Thema plattdeutsch Gereimtes im Repertoire. Sie weiß, wovon sie spricht, wenn sie sagt: „Dat es sou met de Modersproake – wenn se nich kürt wiärd, dann geiht se doat.“ (Das ist so mit der Muttersprache – wenn sie nicht gesprochen wird, dann stirbt sie).

    Da macht der pfiffige Auftritt der neunjährigen Esther Schmitz Mut, Die Enkelin der Heimatvereinsvorsitzenden Gertrud Ritter hat mit „Äppelken will danzen“ von Augustin Wibbelt den Platt-Ton schon richtig gut drauf. Eberhard Holz hat Ernstes und Heiteres „op Platt“ aus eigener Feder und aus der Welt der Geschichten und Fabeln zum Thema Herbst und Erntedank mitgebracht. Josef Weiring ist wie immer für den gesungenen und Maria Huxel für den hochdeutschen Teil des Programms zuständig. Gertrud Ritter streut „so düt und dat op haudütsk un platt“ aus eigenem Erleben von früher und heute ein. Das regt die Besucher zum intensiven Klönen und Spaß haben an. Johanna Grothusmann bringt’s schließlich gereimt in Modersproake auf den Punkt: „Et sall sick alls wuoll riegen, wie loat us niemoals ünnerkriegen. Und das muss jetzt in Platt so stehen bleiben: In Hochdeutsch reimt sich’s nämlich nicht. jr

    erntedank

    Sorgten beim Erntedank des Plattdeutschen Sprach- und Heimatvereins Datteln im Museum für prima Unterhaltung (v. li.): Josef Weiring, Maria Huxel, Johanna Grothusmann, Eberhard Holz, Esther Schmitz, Gertrud Ritter und Wilma Dördelmann. Fotos und Texte Quelle Jürgen Rottmann / medienhaus bauer

  • Zeittafel für die Meckinghover Grundschule

    100 Jahre, das ist eine lange Zeit. Für Kinder geradezu unvorstellbar lang. Und so ging gestern Morgen ein Raunen durch die Menge, als Gertrud Ritter erzählte, dass das Gebäude der Meckinghover Grundschule so alt ist. Nachzulesen ist das auf der Zeittafel, die der Plattdeutsche Sprach- und Heimatverein erarbeitet hat.

    20 dieser Tafeln hat die Vorsitzende bereits im Stadtgebiet eingeweiht, aber noch nie vor einem so großen Publikum. 210 Mädchen und Jungen stehen auf dem Hof und lauschen den Ausführungen zu der wechselvollen Geschichte ihrer Schule – der ältesten noch stehenden Schule in Datteln.

    Die erste Schule in Meckinghoven wird 1750 auf dem Hof Vehling erbaut. „Das ist hier gleich nebenan“, zeigt Gertrud Ritter aufs Nachbargrundstück. Und sie erzählt, dass damals im Winter doppelt so viele Kinder die Schulbank drückten als im Sommer. Warum? Das wissen die Grundschüler: „Im Sommer mussten die Kinder auf den Feldern arbeiten“, ist die prompte Antwort.

    Gertrud Ritter berichtet weiter. 1899 wird ein Teil des heutigen Gebäudes errichtet. Die zwei Klassenräume sind schnell zu klein. Die Zeche nimmt ihren Betrieb auf, und immer mehr Menschen kommen nach Datteln. Die Schülerzahl steigt rapide an und so wird angebaut.

    Vieles, was danach passiert, hat Gertrud Ritter mit erlebt: „Ich bin hier zur Schule gegangen. Das war mein Klassenzimmer“. Im Zweiten Weltkrieg waren Soldaten in der Schule untergebracht, in den Bombennächten suchten die Meckinghover Schutz im Schulkeller, sagt sie.

    Noch gibt‘s ein paar Jahreszahlen, dann ist man in der Gegenwart. Was passiert 2009? Da gehen die Hände in die Höhe. Dass die Horneburger Schule geschlossen wird und die Kinder aus dem Schlossdorf jetzt auch in Meckinghoven lernen, das wissen die Schüler. Von diesem Ereignis können sie später ihren Kindern und Enkeln erzählen. Aus erster Hand. Wie jetzt Gertrud Ritter.

    Aus: Dattelner Morgenpost

  • Dorfschultenhof ist 200 Jahre alt – Geburtstagsfeier mit Verspätung

    200 Jahre sind ein stolzes Alter. Ein solcher Geburtstag sollte gebührend gefeiert werden. Das findet auch Museumsleiterin Rosemarie Schloßer. Deshalb verschiebt sie wegen der Ferienzeit die große Feier um zwei Monate. „Damit auch möglichst viele kommen.“

    Am 18. Juli 1809 ist das Haus auf dem Dorfschultenhof, das heutige Hermann-Grochtmann-Museum, erbaut worden. Es steht auf dem ältesten Hofgrundstück Dattelns – und heute natürlich unter Denkmalschutz. „Davor gab’s auf dem Gelände sicher verschiedene Gebäude, aber Fachwerkhäuser sind auch öfter mal abgebrannt“, sagt Rosemarie Schloßer. Der jetzige Dorfschultenhof ist ein dreischiffiges, typisch westfälisches Hallenhaus. 1911 erwarb die Gemeinde Datteln das große Grundstück, baute nebenan das heutige Rathaus. Das Fachwerkhaus fand eine neue Nutzung Schon 1927 gab’s im Dorfschultenhof erste kulturgeschichtliche Sammlungen, 1936 wurde er offiziell städtisches Museum. Der Oberstudienrat und Heimatforscher Dr. Hermann Grochtmann hat sich um das Museum verdient gemacht. 1969 wurde es nach ihm benannt.

    Nach mehrjähriger Renovierung 1988 öffnete das Museum in neuer Konzeption wieder. Der 18. Juli 1809 ist ein Datum, das im Kalender des Vereins für Orts- und Heimatkunde steht. Und so ließ es sich Vorsitzende Gertrud Ritter nicht nehmen, pünktlich zum Wiegenfest ein Geschenk zu überreichen. Eine Tafel mit einem Liedtext, der zu einem plattdeutschen Abend am 9. Juni 1937 im Dorfschultenhof einlädt. Geschrieben und vertont vom damaligen Musiklehrer des Gymnasiums, Karl Paar. Die ersten Zeilen kennt fast jeder ältere Dattelner: „Nu lott us no buten no Duorpschultenhuoff gohn, un use klein Suorgen ant Huse ganz lo‘n.“ Den kompletten Text hat Gertrud Ritter durch Zufall entdeckt. Was jetzt noch fehlt, ist die Melodie. Aber da forschen die Heimatfreunde weiter. Vielleicht erklingt zur Geburtstagsfeier dieses Ständchen. Das Fest ist übrigens am Tag des offenen Denkmals am 13. September. Fast pünktlich. Aber was sind schon zwei Monate in 200 Jahren?

    200 Jahre Dorfschultenhof- Feier am Tag des offenen Denkmals, 13. September, ab 11 Uhr, rund ums Grochtmann-Museum.

    Text und Bild: Dattelner Morgenpost

  • Im Land der tausend Berge

    Fahrt

    Wie schön die Natur vor der eigenen Haustür ist erfuhren 50 Dattelner Senioren bei einem Ausflug ins Sauerland – dem Land der tausend Berge.

    „Da liegt so ein schönes Land vor unserer Tür und man fährt immer soweit …“, meinte Gertrud Ritter, die Vorsitzen des Plattdeutschen Sprach- und Heimatvereins. „Ich kam mir fast vor wie in der Schweiz.“ Schon die Fahrt war ein Erlebnis, denn der Busfahrer fuhr früh von der Autobahn ab und zuckelte langsam über Landstraßen – an der Lenne entlang. „Überall waren noch die Sturmschäden von Kyrill zu sehen, aber auch die neu angepflanzten Bäume fürs nächste Weihnachtsfest“, sagte Gertrud Ritter. Holzwirtschaft ist eine Stärke des Sauerlands. Dass Getreide-Anbau nicht zu sauerländischen Stärken gehört, erfuhr die Gruppe in einem Ortsteil von Finnentrop mit dem eigentümlichen Namen Faulebutter. „Faulebutter steht in der örtlichen Mundart für faule Ernte, und deutet an, dass die Witterung im Sauerland oft zu kalt und zu feucht war, um das Getreide wirklich reifen zu lassen. Deshalb leben die Bauern heute dort zumeist von Vieh- und Milchwirtschaft“, weiß Theo Beckmann, Heimatvereins-Mitglied und Vertreter der Grünen im Dattelner Stadtrat, zu berichten. Viel Wissenswertes über Land und Leute hatte auch Walter Klisch vom befreundeten Herdecker Heimatverein beizusteuern. Ebenfalls beeindruckend war der Zwischenstopp am Oberbecken eines Speicherkraftwerks zwischen Rönkhausen und Finnentrop. Dort wird in Zeiten schwacher Stromnachfrage Wasser hochgepumpt, um es bei Bedarf wieder zur Stromerzeugung nutzen zu können. „Eine sichere Riesenbatterie im Netz unserer komplizierten Stromversorgung“, sagt Theo Beckmann.

    Text und Bild: Dattelner Morgenpost

  • Viel Spaß beim offenen Singen

    „Dat Wandern doht de Möllers gärn…“ Wer kennt dieses Lied von den Müllern, deren Lust das Wandern ist, nicht in hochdeutscher Fassung? Prima Idee des Plattdeutschen Sprach- und Heimatvereins und seiner Vorsitzenden Gertrud Ritter, das auch mal „opp Platt“ singen zu lassen.

    In gemütlicher Runde hatten sich Freunde der „Modersproake“ bei Kaffee und Kuchen zum offenen Singen im Hermann Grochtmann Museum um Christoph Vatheuer am Klavier geschart.

    Der stimmte mit Vehemenz und launigen Einführungen, sowohl musikalischer als auch moderierender Art, jede Menge altbekannte Lieder in Platt- und Hochdeutsch an. Tenor und Geburtstagskind Josef Weiring (81) sorgte als Solist mit Robert Schumanns „Frühlingsgruß“ und dem „Vüeggelken, haug’ in’n Baum“ für Angenehmes zum zurück lehnen und einfach nur zuhören. Eberhard Holz unterhielt mit „Geschichtkes und Gedichtkes“. Beide zusammen erwiesen sich als perfekte Einsänger bei solchen Jahrhundertohrwürmern wie dem Lied von „Pastor siene Koh“.

    Gertrud Ritter hatte nicht nur fröhliche Textbeiträge mitgebracht, sondern auch Enkelin und Nachwuchs-Gedichtrezitatorin Esther Schmitz (9).

    Die gut zwei Stunden mit immer noch frischem, altem Liedgut vergingen wie im Fluge. Am Ende tönte es zufrieden aus voller Kehle und frischer Brust: „Et geiht nix üöwer de Gemötlichkeit…“. Vier Besucher des offenen Singens ließen sich spontan als neue Mitglieder in den Verein aufnehmen.