Bei optimalen Witterungsbedingungen – milden Temperaturen, trockener Luft und einem leichten Westwind, der die Gruppe am Nachmittag unterstützend nach Hause trug – konnte der Vorsitzende des Plattdeutschen Sprach- und Heimatvereins Theodor Beckmann die Mitglieder und Gäste zu einer Radtour in das Herz des Ruhrgebiets begrüßen. Der etwa 50 km lange Rundkurs war gesäumt von den Überresten des Bergbaus, der diese Region geprägt und geformt hat: sanierte, zu Gewerbegebieten umgestaltete Zechengelände, umgeben von Zechenmauern, flankiert von Zechenhäusern, verbunden durch Zechenbahntrassen, dazu die Zechenhäfen am Rhein-Herne-Kanal, die Kulturzeche Unser Fritz 2/3, Kohlenlager, Abraumhalden und die Emscher als Abwasserkanal.

Höhepunkt und Ziel der Fahrt war das in diesem Sommer wiedereröffnete Heimatmuseum „Unser Fritz“ in Wanne-Eickel. Die Ausstellungsstücke im ehemaligen Schulgebäude der Kolonie weckten zahlreiche Erinnerungen an die eigenen Kinder- und Jugendjahre: Familie, Schule, Arbeit und Freizeit werden mit vielen Exponaten liebevoll in Szene gesetzt. Und das Büdchen im Hof des Museums bot den idealen Hintergrund für das Gruppenfoto.

Gut gelaunt waren Freunde des Dattelner Heimatvereins zu einer Radtour gestartet. Ziel war das neu gestaltete Heimatmuseum „Unser Fritz“ in Wanne-Eickel. Doch nach wenigen Kilometern setzte ein Regen ein, der die Heimatfreunde um den Vorsitzenden Theodor Beckmann (r.) zur Aufgabe zwang. Einen erneuten Versuch will man am 16. Juli wagen. Treffen zur Abfahrt ist wieder um 10.30 Uhr am Neumarkt. Das Museum in Wanne zeigt beispielhaft die Geschichte des Ruhrgebiets zwischen 1890 und 1980. Herausragende Exponate sind die alte Drogerie mit einer Einrichtung aus der Zeit des Jugendstils, ein alter Kiosk sowie ein Klassenzimmer aus der Zeit um 1900. (Dattelner Morgenpost vom 04.07.2017; Foto: Norbert Schmitz)

Rainer Schepper las beim Heimatverein aus Augustin Wibbelts Lyrik

von Norbert Schmitz, Dattelner Morgenpost vom 7. Juli 2017

DATTELN Das war ein Nachmittag, der ganz und gar den Geschmack von Freunden der plattdeutschen Mundart traf.

Der Heimatverein hatte am Mittwoch mit Rainer Schepper nicht nur einen fundierten Kenner des Plattdeutschen eingeladen, sondern auch gleichzeitig einen Experten, der sich mit Leben und Werken von Augustin Wibbelt (1862-1947) intensiv beschäftigt hat.

„Wibbelt zählt zu den größten niederdeutschen Lyrikern. Seine Werke sind menschlich und ethisch aktuell geblieben“, führte der Referent zu Beginn der Veranstaltung im Etienne-Bach-Haus aus, bevor er mit seiner Rezitation, teilweise auch in hochdeutsch, begann, Der 90-jährige Rainer Schepper hat Augustin Wibbelt noch prsönlich kennengelernt, was er als ein großes Glück bezeichnet. Der Münsteraner besitzt einen großen Teil des Nachlasses von Augustin Wibbelt und veröffentlichte zahlreiche Werke des Dichters und katholischen Priesters in textkritischen Ausgaben.

Schepper beeindruckte seine Zuhörer mit frei vorgetragenen Gedichten, las mit fester Stimme aber auch längere Beiträge Wibbelts vor, in denen er sich unter anderem mit Sexualität und Moral im Jahre 1925 auseinandersetzte. Im Mittelpunkt standen jedoch die plattdeutschen Werke, die sowohl zum Schmunzeln als auch zum Nachdenken anregen. Wibbelt hatte seine Mitmenschen genau beobachtet, ihnen nicht nur „aufs Maul“ geschaut und ihr Verhalten wie in dem Buch „Drüke Möhne“ niedergeschrieben.

Rainer Schepper hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten in Westfalen einen Namen als Autor und Rezitator des Plattdeutschen erworben, Zurecht, wie man am Mittwochnachmittag in Datteln feststellen konnte.


Aus Werken des wohl bekanntesten niederdeutschen Lyrikers Augustin Wibbelt rezitierte Rainer Schepper (l.) auf Einladung des Heimatvereins. (Foto: Norbert Schmitz)

Heimatverein enthüllte feierlich eine Zeittafel am Lutherhaus

von Alfred Pfeffer, Dattelner Morgenpost vom 1. Juli 2017

DATTELN. 100 Jahre alt wurde das Lutherhaus im vergangenen Jahr, jetzt gab es ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk vom Plattdeutschen Sprach- und Heimatverein: Eine Zeittafel, die die wichtigsten Stationen in der bewegten Geschichte des ehrwürdigen Hauses nachzeichnet. Gestern Nachmittag wurde die gläserne Zeittafel feierlich enthüllt.

Es ist die 23. ihrer Art. In den zurückliegenden Jahren hatte der Heimatverein unter anderem die Geschichte des Rathauses, der Friedenskirche, der Zeche, des alten Marktplatzes „Tigg“ oder des Kanalkreuzungspunktes mit Zeittafeln dokumentiert.

1916, mitten im 1. Weltkrieg, wurde das Lutherhaus gebaut. Es diente der um die Jahrhundertwende enorm gewachsenen evangelischen Gemeinde in Datteln als Gotteshaus. Bis zum Bau der Lutherkirche (Einweihung 1928) beherbergte das Lutherhaus einen großen Bet-Saal für die Gläubigen. Danach wurde das Haus in ein Gemeindezentrum umgewandelt. Als dann im zweiten Weltkrieg das Dach der Kirche zerstört wurde, stieg das Lutherhaus noch einmal für vier Jahre zur Gottesdienststätte (19944 bis 1948) auf, um danach wieder seine Bestimmung als Gemeindezentrum zu finden. Jahrzehnte lang spielte das Lutherhaus schließlich eine wichtige Rolle im Leben der christlich geprägten Gruppen und Vereine.

Nach einigen Jahres des Leerstandes füllen inzwischen zahlreiche Kinder das Lutherhaus mit Leben, seit 2014 ist es der Evangelische Kindergarten. Die Kinder waren es auch, die die Tafel-Enthüllung gebührend feierten, mit einem lustigen Lied.


Bildunterschrift: Theodor Beckmann (Heimatverein), der federführend an der Zeittafel gearbeitet hatte, und Birgit Ozimek (Kindergarten-Leiterin) enthüllten das gläserne Dokument. (Foto: Kalthoff)


2. Bild: Die Kindergartenkinder sangen vor und nach der Enthüllung der Zeittafel zwei lustige Lieder.

Rainer Schepper liest Augustin Wibbelt

Der Plattdeutsche Sprach- und Heimatverein Datteln hat Rainer Schepper nach Datteln eingeladen. Er kommt am 5. Juli 2017 und liest aus den Werken des wohl bekanntesten westfälischen Mundartdichters Augustin Wibbelt.

Rainer Schepper (90) hat sich in den letzten Jahrzehnten in Westfalen einen Namen als Autor und Rezitator niederdeutscher Sprache erworben. Seit 1978 arbeitet er als freier Schriftsteller, Publizist und Rezitator in Münster. Er ist Autor von Hörspielen, Kommentaren und Gedichtrezitationen für diverse Hörfunksender. Seit 1997 ist er Redakteur der Sendung Denn es steht geschrieben im Offener Kanal TV Münster.

Besonders eng verbunden ist Rainer Schepper mit Augustin Wibbelt (1862-1947) und seinem Werk. Er hat ihn persönlich gekannt und stand ihm nahe. Er besitzt einen großen Teil seines Nachlasses und veröffentlichte zahlreiche Werke des Dichters in textkritischen Ausgaben.

Augustin Wibbelt begann 1891 als Redakteur der katholischen Wochenschrift "Ludgerus-Blatt" damit, plattdeutsche Erzählungen zu veröffentlichen. Das umfangreiche literarische Werk des Dichters nimmt in der niederdeutschen Literaturgeschichte einen bedeutenden Platz ein. Wibbelt hat selbst bei seinen launigsten Texten dem Leser etwas zu sagen: mal lachend, mal schmunzelnd, mal mit bissiger Ironie, mal mitfühlend und mitleidend lenkt er den Blick auf die vielen Schwächen und Fehler seiner Mitmenschen, charakterisiert ihre Tugenden und beschreibt ihre Lebensart.
Seine erfolgreichen Romane, wie etwa der "Schulte Witte", seine zahlreichen Publikationen in Zeitschriften erreichten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein riesiges Publikum. Er wirkte prägend auf viele andere niederdeutsche Autoren, auch auf Rainer Schepper.
Der Gedichtband Mäten-Gaitlink (hochdeutsch Märzamsel) gilt als sein wichtigstes Werk. Noch bis ins 21. Jahrhundert lernen Schulkinder, die längst kein Plattdeutsch mehr sprechen, sein Gedicht Dat Pöggsken (Das Fröschlein) auswendig. Als Anerkennung für sein dichterisches Werk erhielt Wibbelt 1946 den Annette von Droste-Preis der Provinz Westfalen.

Dat Pöggsken
Pöggsken sitt in'n Sunnenschien,
O, wat is dat Pöggsken fien
Met de gröne Bücks!
Pöggsken denkt an nicks.
Kümp de witte Gausemann,
Hät so raude Stiewweln an,
Mäck en graut Gesnater,
Hu, wat fix
Springt dat Pöggsken met de Bücks,
Met de schöne gröne Bücks,
Met de Bücks in't Water!